Falken-Gesäß im Odenwald

Unser Dorf Falken-Gesäß, seit 1971 ein Stadtteil von Beerfelden, liegt im einstigen Jagdgebiet der Nibelungen mitten im schönen, herrlichen Odenwald. Unser Odenwälder Maskottchen, der kleine Siggi Sagenhaft wird seine Schatzkiste nur für Sie öffnen: Er will Ihnen unseren schönen Odenwald mit seinen Randgebieten zeigen. Märchenhafte Landschaften werden sich vor Ihnen ausbreiten. Weit wird Ihr Blick über die Odenwaldhöhen schweifen.

Verträumte Täler, durch die sich dann und wann plätschernd ein ruhiger Bach windet, werden Sie verzaubern. Tiefe Wälder werden Ihnen Erholung bieten und an manch einem Tag lassen sich in der Abenddämmerung scheue Rehe und Hirsche friedlich äsend am Waldesrand beobachten. Tauchen Sie ein in die Wunder der Natur, erleben Sie die abwechslungsreichen Gesichter der unterschiedlichen Jahreszeiten.

Atmen Sie die gesunde Luft und lassen Sie sich verwöhnen!


Aus der Geschichte

In altgermanischer Zeit war der Odenwald noch kaum bewohnt. Finsterer Urwald bedeckte rings die Berge. Die Täler mit ihren Wasserläufen waren sumpfig und unwegsam. Undurchdringliches Gestrüpp überwucherte den Boden. Die frühesten Bewohner, die hier vereinzelt wohnen mochten, ernährten sich von Jagd und Fischerei.

Danach eroberten die Römer das Land. Sie schlugen Breschen in die riesigen Wälder und begannen mit der Bewirtschaftung des Bodens, wo sie dann ihre ausgedienten Legionäre ansiedelten. Als später die Alemannen, vom oberen Mainlauf herkommend, in das Gebiet eindrangen und es den Römern wieder abgewannen, fanden sie hier schon blühende Städte und Dörfer, mit fetten Ackerböden, Wiesen und Weideplätzen, so dass sie gerne da blieben und sich ansässig machten.

Im Finkenbachtal, einem der schönsten Täler des Odenwaldes, liegt Falken-Gesäß, eine vermutlich über tausend Jahre alte Siedlung. Offenbar waren die Gründer Ableger einer germanischen Stammesart, die sich Falken nannten. Sie machten sich einstmals hier ansässig, wonach der Ort seinen Namen erhielt. Der Name Gesäß entstammt dem alten hochdeutschen Wortschatz und kommt von Gesesse, was soviel wie Wohnsitz oder Herdstelle bedeutete. In alten Urkunden aus den Jahren 1321 und 1347 erscheint der Name Valkengesesse. Im Jahre 1487 erscheint urkundlich wieder der Name Falkengesess und dann endlich Falken-Gesäß nach seiner heutigen Schreibweise.

Nach der Reformation wurde der Ort protestantisch, die Kapelle wurde dann nicht mehr benutzt und kam nach und nach in Verfall. Der Dreißigjährige Krieg brachte viel Leid und Elend über das kleine Odenwalddorf. Kriegsbanden durchstreiften sehr häufig das Tal, brannten die Häuser nieder, plünderten und mordeten, was ihnen in die Hände fiel, Die Einwohner flüchteten damals mit ihrer beweglichen Habe in den nahen Falkengrund, wo sie in einer hohlenartigen Waldschlucht, um die dichte Dornhecken einen schützenden Wall bildeten, einen sicheren Unterschlupf fanden. Nach einer Zahlung aus dem Jahre 1626 hatte damals Falken-Gesäß noch ca. 200 Einwohner, aber am Ende des schrecklichen Krieges lebten nur noch zwei Gemeindsmänner. Dies waren die Brüder Seip, wovon der eine einen Bauernhof, das ehemalige Hannalsgut, der andere die alte Mühle besaß. Beide Anwesen vererbten sich hernach durch Jahrhunderte an deren Nachkommen mit dem genannten Familiennamen weiter.

Kaum waren die Friedensglocken verhallt, begannen die Raubkriege Ludwigs XIV von Frankreich, die noch schrecklicheres Elend über unsere Heimat brachten. Französisches Militär besetzte den Odenwald. Wieder flüchteten die Bewohner in die Wälder.

Im Dezember 1688 wurden sämtliche Schultheißen des Amtes Freienstein von den Franzosen verhaftet und nach Eberbach verschleppt, wo man sie als Geißeln gefangen hielt und sie erst gegen ein erpresstes Lösegeld wieder auf freien Fuß setzte.

Falken-Gesäß gehörte bis zum Jahre 1806 zum Amte Freienstein, der Grafschaft Erbach-Fürstenau, von wo ab es dann nach Hessen kam. Als um das Jahr 1805 die erste Chaussee durch das Finkenbachtal gebaut wurde, wusste es die Frau des damaligen Schultheißen, eine mannhafte Bäuerin, die das Parlament führte, durchzusetzen, dass dieselbe, nicht wie es projektiert war, mitten durch den Ortskern, sondern wie eine Umgehungsstraße ganz oben am Berge hin geführt wurde. Dadurch glaubte man den Durchmarsch feindlicher Heerscharen samt Einquartierungen und Kontributionen von der Gemeinde fernhalten zu können. Dessen ungeachtet kamen doch im Winter 1813/14 russische Kosaken ins Dorf und machten Quartier. Man rühmte ihre Gutmütigkeit und wunderte sich nicht wenig über diese wetterharten Kerle, die trotz bedeutender Kälte noch barfuß im Wasser des Baches durch das Tal marschierten. Im Bruderkrieg 1866 wurde Falken-Gesäß von österreichischer Artillerie besetzt, die ihre Geschütze vor der alten Mühle aufstellten. Der Name “Alte Mühle” rührt daher, weil sie eine der ältesten Mühlen dieser Gegend ist.

Am Dorfkreuzweg befanden sich vor nicht langer Zeit noch zwei steinerne Kreuze, weil sich dort, wie die Sage erzählt, einmal zwei Metzelburschen totkitzelten. Selbstmörder wurden früher an Kreuzwegen verscharrt. Seit dem Bau der neuen Ortsstraße im Jahre 1905 sind diese steinernen Male verschwunden. Von einem früheren Adelssitz im Dorf weiß die Überlieferung nichts. Doch von einem vornehmen Bauernhof auf dem Ortsteil Sommerberg erzählt man sich allerlei Merkwürdigkeiten, dass dessen Besitzer mit silbernem pflüge pflügten und soviel Geld hatten, dass sie es mit dem Fruchtsimmer messen konnten. Aber ihr Geschlecht starb kinderlos aus, die Liegenschaften wurden aufgeteilt und kamen danach an kleine Leute.

In den unruhvollen Jahren 1848/49 marschierte preußisches Militär durch das Finkenbachtal, um den Aufstand in Nordbaden niederzuwerfen. Es herrschten in jenen Jahren Teuerung und Hungersnot. Es wurden überall Speisungen der Ortsarmen durchgeführt. Doch bald wurde es besser. Mit Unterstützung der Regierung entstanden Industriebetriebe, Tuchmachereien, die aber zu bald von der Großindustrie überflügelt wieder schließen mussten. Man ging zur Holzbearbeitung über. Es entstanden Sägewerke, Faßdauben-, Kisten- und Bürstenfabriken. Später wurden noch Diamantschleifereien eröffnet. Inmitten des Dorfes liegt der Falkenhof, ein ansehnlicher Grundbesitz, mit sehr hübschem Herrenhaus und weitläufig angelegten Wirtschaftsräumen. Hervorgegangen ist derselbe aus zwei größeren bäuerlichen Anwesen, die im Ersten Weltkrieg von einer auswärtigen Firma erworben wurden, um hier ein Erholungsheim für ihre Arbeiter zu errichten, aber es blieb bei dem rein landwirtschaftlichen Unternehmen.


hjziegler 2008